Geschichte

Unser Chor stellt sich vor:

Im Jahre 1886 wurde der Frauenchor Muttenz von 20 Jungfrauen gegründet. Herr Lehrer Theodor Gysin war ihr erster Präsident und Dirigent.
Zur 600 -Jahrfeier der Eidgenossenschaft, 1891, engagierte sich der junge Chor mit zwei Liedern.

Zum Basellandschaftlichen Gesangfest in Waldenburg, am 7. Juli 1895, fuhren die Sängerinnen auf einem mit Tannengrün geschmückten Wagen, genehmigten sich um halb 6 Uhr im Bad Bubendorf eine Mehlsuppe und sangen sich danach mit dem Lied „Der Wald im Lenze“ von C. Attenhofer auf den 2. Platz. Gemeinsam kehrten sie zu später Stunde nach Muttenz zurück und liessen den Abend im Rössli ausklingen.
Die erste Fahne des Vereins wurde am 3. Oktober 1897 geweiht.

Ein Jahr später organisierten sie gemeinsam mit dem Männerchor das Kantonale Gesangfest in Muttenz.
Die Sängerinnen durften damals nur bis zu ihrer Heirat im Chor mitmachen, so herrschte ein stetiger Wechsel. Die einen kamen, die anderen gingen. Auch bei der Direktion gab es einen Wechsel. Herr Lehrer Senn, mit einem monatlichen Gehalt von Fr. 2.- vierteljährlich ausbezahlt, trat die freie Stelle an. Nach 4 Jahren folgte Herr Lehrer Schmid. Nach weiteren 4 Jahren übergab er das nicht leichte Amt an Lehrer Niederer.
Immer wieder durften die jungfräulichen Sängerinnen einer Kameradin zum Hochzeit ein Ständchen bringen. Dies war dann gleichzeitig auch der Abschied, denn Verheiratete waren in dieser Zeit im Chor nicht zugelassen. Da die Singproben oft unpünktlich oder überhaupt nicht besucht wurden, beschloss man, den Paragraph 18 der Statuten wieder strenger zu beachten: zu spät Kommende mussten 10Rp. und unentschuldigt Wegbleibende 20Rp. Strafe bezahlen.

Während der Kriegsjahre wurden die Singstunden öfters in Strick- und Nähabende zu Gunsten der Wehrmänner umfunktioniert. Die Singstunden mussten ebenfalls eingestellt werden, als im ganzen Land eine Grippeepidemie herrschte. In diesen schwierigen Jahren mussten die Sängerinnen von lieben Kameradinnen am Grab Abschied nehmen.
1921 half der Chor kräftig mit bei der Einweihung der Tramverbindung von Basel nach Pratteln, endlich wieder einmal ein Lichtblick!

Der Mitgliederschwund erreichte um 1931 seinen Höhepunkt. Die Kassierin demissionierte. Der Grund: sie habe genug vom Führen einer leeren Kasse. Auch die Präsidentin und die Aktuarin wollten so nicht mehr weitermachen. Im Frühjahr 1932 drohte der Verein ganz auseinanderzubrechen. Durch gutes Zureden und Unterstützung von Herrn Honegger-Mesmer und einem privaten, finanziellen Darlehen eines Passivmitglieds gelang es, dem Chor ein Weiterleben zu ermöglichen. Jetzt durften auch Verheiratete mitsingen.
Unter der neuen Leitung von Herrn Schlienger blühte der Frauenchor auf und beteiligte sich wieder rege an Gesangfesten, Unterhaltungsabenden und sonstigen Belustigungen.

Im zweiten Weltkrieg beschloss man, Strickabende statt Singproben durchzuführen, um für die Wehrmänner Socken, Pulswärmer und Mützen anzufertigen. Herr Schlienger wollte aber nicht ganz aufs Singen verzichten, so übte er mit den Frauen fleissig 11 Lieder für einen Radioauftritt im Jahr 1942. Drei Jahre später begeisterten die Sängerinnen mit der Aloisy-Messe von Michael Haydn das Publikum so, dass sie die Messe nochmals andernorts aufführen durften.

1949 kündigte Herr Schlienger, seine Stelle nahm für längere Zeit Theo Stähli ein. Mit viel Schwung stieg der neue Dirigent in sein Amt ein. Bald kam das erste Konzert in der Breiteturnhalle stattfinden. Herr Stähli spornte seine Sängerinnen an und der Chor beteiligte sich an zahlreichen Anlässen. Alle Jahre wieder gingen die Frauen auch auf Reisen, einmal sogar für vier Tage nach Wien. Nach 32 Jahren seiner Tätigkeit beim Frauenchor wird Herr Stähli zum Ehrendirigenten ernannt. 100 Jahre Frauenchor, das muss gefeiert werden! Mit den verschiedenen Anlässen im Jubiläumsjahr, die der Dirigent bestimmt hatte, waren die Sängerinnen nicht glücklich, sie wollten mehr Mitsprache. So trennte sich der Chor nach vielen Jahren von Theo Stähli, was für einzelne Sängerinnen sehr schmerzlich war.

Rolf Steiner trat seine Nachfolge an. Er studierte mit dem Chor ein grosses Festkonzert ein, das im Frühling 1986 im Mittenza über die Bühne ging. Im November fand am gleichen Ort eine feierliche Fahnenweihe statt, wo mit Behördenvertretern, Chören und anderen Vereinen ein fröhliches Fest gefeiert wurde. Ein Jahr später holte der Verein seine Jubiläumsreise nach: Wir kreuzten drei Tage lang auf dem Schiff „Helvetia“ von Köln nach Frankfurt am Main. Es war ein unvergessliches Erlebnis!

Nachdem Herr Steiner uns 1989 verliess, hatte der Chor wieder einmal ein Wellental erreicht. Wie weiter? Nach langem Suchen waren wir im März1990 mit Herrn Hauck, einem jungen Dirigenten, glücklich, einen passenden Chorleiter gefunden zu haben. Am Eidgenössischen Gesangfest in Hochdorf durften wir ein „sehr gut“ für die Lieder „der Wassermann“ und „Jägers Wohlgemut“ von Robert Schumann mit nach Hause nehmen. Vier anspruchsvolle Konzerte in acht Jahren durften wir unter seiner Leitung den ZuhörerInnen darbieten. Am Bezirksgesangfest in Ettingen war nicht nur das Publikum begeistert von Rossinis „La speranza“, auch die Experten waren des Lobes voll. 1998 heiratete unser Chorleiter und wir sangen unter der Leitung von unserer Vizedirigentin Mendelssohns „Laudate pueri“ im Traugottesdienst. Leider war sein Hochzeitstag gleichzeitig auch sein Abschied vom Chor.

Mit dem Nachfolger hatten wir nicht gerade Glück! Nach seinem kurzen Gastspiel durften wir uns sogar noch mit einem Anwalt herumplagen, der alle möglichen Forderungen an den Chor stellte.

Mit Beatrice Wygandt kehrte wieder Ruhe und Freude in den Chor zurück. Sie spürte, was den Sängerinnen lag, suchte entsprechende Literatur und übte mit grosser Geduld an einem Dvorakkonzert. Ihr war es auch zu verdanken, dass uns ein bedeutender Musikpreisträger, Wolfgang Lorenzen am Flügel zu den „Klängen aus Mähren“ wundervoll begleitete. Auch am Bezirksgesangfest in Aesch begleitete dieser begnadete Pianist uns. Mit „Donna, donna“ aus Sister act konnten wir das Publikum begeistern.

2002 führten wir in der Kath. Kirche das Bezirksweihnachtssingen durch, an dem sich viele Chöre aus der Umgebung ein Stelldichein gaben. Nach sechs Jahren verliess uns unsere Dirigentin, für viele Sängerinnen war dies unverständlich. Die Zusammenarbeit der Präsidentin mit der Dirigentin schien nicht möglich, deshalb folgte dieser schmerzhafte Schnitt.

Die grosse Auswahl an KandidatInnen machte es auch nicht leichter, die neue Leitung zu bestimmen. Ein junger spanischer Musiker machte das Rennen, nach nur vier Monaten verabschiedete er sich auf eine Welttournee mit einem Orchester.

Der Chor war wieder am auseinander brechen. Die Präsidentin schlug eine Fusion mit dem Frauenchor Pratteln vor. Die Vizepräsidentin und die übrigen Vorstandsfrauen wollten den Chor so nicht kampflos aufgeben.

Claudia Moppert, eine ausgebildete Sängerin, die gerade vor dem Abschluss als Chorleiterin stand, übernahm im Frühling 2007 die Leitung des Frauenchors. Mit Stimmbildung in Kleingruppen gab sie den Sängerinnen das Selbstvertrauen zurück. Mit einfachen Liedern, die schnell gut klingen, brachte sie die Freude zum Gesang zurück. Mit ihrer positiven, fröhlichen Art, hat sie die Sängerinnen schnell aus ihrem Tief geholt. So war es möglich, dass in kurzer Zeit neue Mitglieder gewonnen werden konnten. Mit vielen kleinen Auftritten machte der Chor auf sich aufmerksam. So kam auch die Zeit für Grösseres: 2010 Aufführung einer Frauenchormesse von Cécile Chaminade.

Mit frischem Schwung nimmt der Chor seinen 125. Geburtstag in Angriff!

„Lang lebe der Frauenchor, alles, alles Glück für ihn.“